ILIAS.nrw Blog
ILIAS.nrw auf der 45. Entwicklungskonferenz in Köln

Am 19. März 2026 fand die 45. Entwicklungskonferenz von ILIAS an der Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen in Köln statt. ILIAS.nrw war mit mehreren Beiträgen vertreten und brachte zentrale Impulse zu Themen wie Inklusive Sprache, Datenschutz und Privacy by Design, sowie Push Notifications in die Community ein.
Verbesserungen im deutschen ILIAS-Sprachpaket und Inklusive Sprache
Wie schon bei den Entwicklungskonferenzen der letzten Jahre gab Kendra Grotz (FH DO) ein Update zu Arbeiten am deutschen Sprachpaket. Hier stehen weiterhin zwei Bereiche im Fokus: die Inklusive Sprache und terminologische Vereinheitlichung einerseits sowie die Verbesserung der Verständlichkeit von Einstellungen in ILIAS-Objekten und in der Administration andererseits – ermöglicht nicht zuletzt durch Ressourcen von ILIAS.nrw.
Mit ILIAS 11 wurden intensiv die Suche-Einstellungen und Suchergebnisse diskutiert und sprachlich überarbeitet, wobei auch eine logische Reihenfolge der Optionen und bessere Erfassbarkeit der Formulare durch Abschnitte und neue Überschriften eine Rolle spielten. Dies sollte es Admins erleichtern, die systemweite Suche entsprechend der Ansprüche der Instanz einzurichten. Die aktuelle Arbeit der Gruppe richtet sich nun auf Benachrichtigungen und Neuigkeiten.
Hier wird Verständlichkeit als elementares Prinzip der digitalen Barrierefreiheit ernst genommen.
Das schrittweise Ersetzen des generischen Maskulinums durch Inklusive Sprache über die gesamte sprachliche Oberfläche von ILIAS hinweg ist weit fortgeschritten. Nach der Bestandsaufnahme von Bezeichnern und einer jeweiligen umfangreichen Terminologiearbeit, also der Frage, welche Begriffe gemeint sind und wie diese bisher durch Benennungen in sprachliche Form gegossen wurden und nun werden sollen, wurden bereits viele hunderte Sprachvariablen überarbeitet.
So konnte zum ersten Mal davon berichtet werden, dass es ab ILIAS 11 kaum noch männliche Bezeichner gibt, die NICHT den "Benutzer", "Nutzer" oder "Anwender" betreffen. Letztere beschreiben ein verblienes, sehr umfangreiches Arbeitspaket. Die Arbeitsgruppe hatte sich im letzten Halbjahr schwerpunktmäßig mit dem "Teilnehmer" befasst, der sich durch beinahe alle Komponenten durchzieht, jedoch in unterschiedlicher Ausprägung. Dafür mit oftmals ähnlicher Bedeutung, also dem oben genannten Begriff - nämlich der Idee davon, dass jemand in Berührung mit einem Objekt gekommen ist oder die dortige Aufgabe begonnen hat.
"Gendern" ist demnach in der gemeinsamen Weiterentwicklung von ILIAS nicht nur eine Frage notwendiger sprachlicher Gleichstellung und Repräsentation aller Geschlechter. Eindeutige sprachliche Konzepte und qualitativ hochwertige, nutzungsfreundliche Texte sorgen hoffentlich dafür, ILIAS einfacher benutzen zu können. Dies betrifft auch die ILIAS Online-Hilfe: Der Bericht auf der Entwicklungskonferenz konnte damit abgerundet werden, dass die momentan bearbeiteten Hilfetexte für ILIAS 10 schon erfolgreich an das Sprachkonzept angepasst sind.
Privacy by Design
Ein besonderer Schwerpunkt lag auf der Weiterentwicklung von Privacy by Design als integraler Bestandteil der Softwareentwicklung. Dr. Elyesa Seidel (HHU) aus dem Teilprojekt „Information & Support“ gestaltete diesen Themenblock mit drei Vorträgen maßgeblich mit.
Im Vortrag Privacy by Design 3.0: Evolving Privacy Documentation Processes in ILIAS wurde deutlich, dass Datenschutzdokumentation in ILIAS längst über eine reine Konzeptphase hinausgewachsen ist. Ausgangspunkt sind die sogenannten PRIVACY.md-Dateien, die auf Komponentenebene strukturiert erfassen, welche personenbezogenen Daten verarbeitet werden, zu welchen Zwecken und wo sie gespeichert sind. Damit übersetzen sie technische Systemlogik in nachvollziehbare Informationen für Administration, Betrieb und Datenschutzpraxis.
Der Vortrag zeigte, dass diese Form der Dokumentation mehrere zentrale Funktionen erfüllt: Sie erhöht Transparenz, unterstützt Datenschutzbeauftragte bei der Bewertung von Verarbeitungstätigkeiten und schafft eine gemeinsame Dokumentationsbasis innerhalb der Entwicklung. Gleichzeitig wurde die enge Verbindung zu den Anforderungen der DSGVO herausgearbeitet – insbesondere zu Transparenzpflichten (Art. 5 Abs. 1 lit. a, Art. 13/14), Rechenschaftspflicht (Art. 5 Abs. 2) und Privacy by Design (Art. 25).
Ein zentraler Befund: Trotz großer Fortschritte – rund 60 % der Komponenten sind bereits dokumentiert – bestehen weiterhin Lücken und strukturelle Herausforderungen. Unterschiedliche Workflows, lange Durchlaufzeiten und fehlende Standardisierung erschweren eine konsistente Pflege der Dokumentation. Der vorgestellte Zielprozess setzt daher auf klar definierte Rollen, GitHub-basierte Workflows und integrierte Qualitätssicherung, um Datenschutzdokumentation fest im Entwicklungsprozess zu verankern. Gleichzeitig wurde deutlich, dass dies auch eine erhebliche Ressource darstellt: Die Erstellung von 74 PRIVACY.md-Dateien in den vergangenen Jahren zeigt, dass Privacy by Design in ILIAS nicht nur konzeptionell gedacht wird, sondern aktiv umgesetzt und weiterentwickelt werden muss.
Vor diesem Hintergrund widmete sich ein zweiter Vortrag gemeinsam mit Andre Machon (FlowConAI) der Frage, wie sich diese Prozesse skalieren lassen. Unter dem Titel Streamlining Privacy Documentation in ILIAS – AI Support for Privacy by Design wurde gezeigt, dass manuelle Dokumentation langfristig an ihre Grenzen stößt: wachsender Funktionsumfang, häufige Releases und fehlende Standardisierung führen zu Verzögerungen und Inkonsistenzen.
Der Einsatz von KI wurde hier als ein erster konkreter Lösungsansatz vorgestellt. KI-gestützte Workflows können Entwürfe für PRIVACY.md-Dateien automatisch generieren, bestehende Dokumentation auf Lücken prüfen und eine konsistente Einhaltung von Standards unterstützen. Dadurch verschiebt sich die Rolle der Entwickler:innen: weg vom manuellen Schreiben hin zur qualifizierten Prüfung und Qualitätssicherung. Ziel ist es, Datenschutzdokumentation schneller, konsistenter und mit geringem Aufwand wartbar zu machen.
Den dritten Schwerpunkt bildete die konkrete Umsetzung von Betroffenenrechten in ILIAS. Gemeinsam mit Felix Jonas Wiegleb (Databay AG) stellte Elyesa Seidel die technische Lösung „Dear ILIAS, show me my data!“ – Eine Schnittstelle für Betroffenenrechte vor. Der Beitrag präsentierte eine skalierbare Schnittstelle zur Umsetzung von Auskunftsrechten nach Art. 15 DSGVO und zeigte, wie komponentenübergreifende Datenausgaben strukturiert und nachvollziehbar bereitgestellt werden können.
Ausgangspunkt ist die hohe Komplexität von ILIAS: personenbezogene Daten entstehen in vielen Kontexten, sind über zahlreiche Komponenten verteilt und liegen in unterschiedlichen Datenstrukturen vor. Bisher erfolgt die Bearbeitung von Auskunftsanfragen häufig manuell, indem Daten aus verschiedenen Systemteilen zusammengesucht und konsolidiert werden.
Die vorgestellte Lösung adressiert genau diese Herausforderung. Über eine modulare Plugin-Architektur werden Daten systematisch gesammelt und in strukturierter Form (z. B. HTML oder JSON) bereitgestellt. Erste Komponenten wie Nutzerdaten, Lernfortschritt oder Foreninhalte sind bereits integriert. Damit entsteht die Grundlage für eine skalierbare und nachvollziehbare Umsetzung von Betroffenenrechten innerhalb eines komplexen Open-Source-Systems.
Über alle Beiträge hinweg wurde ein gemeinsamer Trend deutlich: Datenschutz ist in ILIAS kein nachgelagerter Aspekt, sondern integraler Bestandteil von Architektur und Design, Prozessen und Werkzeugen.
Das zentrale Fazit der Beiträge: Privacy by Design lässt sich nur dann nachhaltig skalieren, wenn neben guten Konzepten auch belastbare Strukturen, klare Verantwortlichkeiten und geeignete technische Unterstützung etabliert werden.
Push Notifications in ILIAS 11
Ingmar Szmais (Databay AG) stellte auf der Development Conference die durch das Teilprojekt Technik und Entwicklung finanzierte Schnittstelle der Push-Notifications in ILIAS vor. Im Rahmen des Slots wurde der aktuelle Stand der neuen Push-Notification-Schnittstelle in ILIAS 11 präsentiert – ein zentraler Baustein der Strategie des Teilprojekts Technik und Entwicklung von ILIAS.nrw, das die Mobile‑Friendliness der Lernplattform sowie die Kommunikation zwischen Lehrenden und Lernenden nachhaltig verbessern soll.
Mit ILIAS 11 wird die neue Schnittstelle erstmals breit verfügbar sein und eröffnet ganz neue Möglichkeiten für eine zeitnahe, direkte Kommunikation zwischen System und Nutzenden. Push-Notifications bieten gegenüber klassischen E-Mail-Benachrichtigungen mehrere Vorteile: Sie erreichen Lernende unmittelbar auf dem mobilen Endgerät, sind schneller wahrnehmbar, weniger störend und lassen sich gezielt auf relevante Ereignisse zuschneiden. Dadurch können wichtige Informationen – etwa neue Kursinhalte, anstehende Abgaben oder Systemmeldungen – genau dann ankommen, wenn sie benötigt werden. Gleichzeitig behalten Nutzende die volle Kontrolle über Art und Umfang der Benachrichtigungen.
Die vorgestellte Implementierung zeigt, wie ILIAS sich technisch weiterentwickelt, um moderne Nutzungsszenarien besser zu unterstützen. Mit dem Release von ILIAS 11 wird Push-Kommunikation zu einem festen Bestandteil des Systems und stärkt die mobile Nutzungserfahrung deutlich. Dabei ist sie nicht nur für Kernkomponten verfügbar, sondern auch Plugins können die Schnittstelle nutzen.
Weitere Beiträge zur ILIAS-Entwicklungskonferenz: